Ist die Panikmache vor Google Street View mal wieder die typische deutsche Angst? Oder sind die Ängste berechtigt, die auch von lokalen Parteien (PM des BBB) zusätzlich geschürt werden? Ich habe dazu einen sehr interessanten, sachlichen Artikel bei Carta gefunden, in dem die rechtlichen Probleme und möglichen Gefahren ausführlich beleuchtet werden. Danach kann man sicher besser entscheiden, was man tun möchte.
Ich persönlich bin kein Gegner von Google Street View (GSV), habe also keinen Widerspruch eingelegt. Ich finde die Idee spannend, virtuell durch andere Städte gehen zu können und habe dies an einigen meiner vergangenen Urlaubsziele schon gemacht und mich wieder ein Stück im Urlaub gefühlt. Die Front unserer Hauses also im Internet? Warum nicht? Es ist ohnehin nur eine Momentaufnahme, sieht man sich z.B. die Satellitenbilder bei Google Maps an, so hat sich auf unserem Grundstück doch so einiges verändert. Und eigentlich sind die Satelliten Bilder wesentlich informativer, als ein Blick von der Staße aus, hier kann ich Grundstücksgrenzen, Bepflanzung, Pools etc. erkennen, im Vorbeifahren ist das wohl kaum möglich. Aber über Google Maps hat sich bisher niemand aufgeregt.
Die Angst vor der Auspähung durch Kriminelle halte ich auch für übertrieben. Natürlich kann jemand so unaufällig ein Bild von den Örtlichkeiten machen, aber erkennt man wirklich z.B. mögliche Schwachpunkte am Haus? Wohl kaum, die befinden sich nämlich meist eher an der Rückseite des Hauses – eben an uneinsehbaren Plätzen, denn beim Einbrechen will man ja nicht gestört werden. Ein persönliches Ausspähen wird auch durch Google Street View nicht wegfallen, dunkle Ecken mit Einstiegsmöglichkeiten und die Gewohnheiten der Bewohner erfährt man nur durch Einsatz vor Ort.
Und der Fall eines hosenlosen Finnen – tja, dumm gelaufen. Eigentlich unfassbar, dass man mit einer Kamera so in den Garten schauen konnte. Aber widersprechen kann man ja immer noch, wenn das Bild nicht gefällt. Regt man sich auf, führt das nur zum sogenannten Streisand-Effekt. Das Bild des Finnen ist so ganz einfach weiterhin zu finden, obwohl es GSV schon längst aus seinem System genommen hat.
Jeff Jarvis hatte sich in seinem Vortrag auf der re:publica in Berlin etwas amüsiert über die Deutschen geäußert. Man geht in die Sauna und zeigt sich jedem nackig, das eigene Haus im Netz möchte man nicht sehen. Ich finde den Sauna-Vergleich nicht wirklich passend, aber in der Tat exhibitionieren sich doch viele Menschen auf den verschiendenen Plattformen der sozialen Netzwerke. Muss man hier Mitglied in Gruppen über sexuelle Vorlieben sein und das somit allen Nutzern bekannt geben? In einem Small-Talk hätte man das sicher nicht mal eben so am Rande erwähnt, oder? Das ist für mich schon ein Widerspruch.
Irgendwie kommt mir diese ganze Google-Debatte in der Tat typisch deutsch vor. Woher kommt nur dieses Misstrauen und der Pessimismus? Warum sehen wir immer erst die Gefahren und dann die Chancen? Wenn ich z.B. an die Proteste gegen die Volkszählung in den 80ern denke – heute regt sich darüber keiner mehr auf. Vielleicht wird das mit Google Steet View in ein paar Jahren genauso sein, wir werden sehen.
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