Mit großem Interesse habe ich heute im Bruchköbeler Kurier den Bericht und den Kommentar zum Haushaltsicherungskonzept gelesen.
Da hat also eine unabhängige Firma den städtischen Haushalt auf Herz und Nieren auf Einsparmöglichkeiten geprüft. Heraus kommen Schließungen von Mehrzweckhallen und dem Hallenbad und natürlich Einsparungen bei den Kitas. Aha!
Als Mutter zweier Kindergartenkinder fällt mir natürlich zuerst letzeres ins Auge. Gerade wenn ich dabei noch an die Diskussionen anlässlich des diesjährigen Streiks denke. Herr Dick hat es in seinem Kommnentar schon auf den Punkt gebracht, unsere Stadt muss für junge Familien attraktiv bleiben (werden?). Eltern informieren sich heute genau, wo sie ihren Nachwuchs unterbringen. Insbesondere für die vielen berufstätigen Eltern ist die Betreuung ein ganz wichtiger Punkt. Und dabei spielt auch die Qualität der Betreuung eine große Rolle. Ich habe oft das Gefühl, dass hier in Bezug auf Kinderbetreuung zusehr auf den Großelternfaktor gesetzt wird, aber das ist nicht mehr selbstverständlich. Dieser Gedanke muss mal ankommen. Junge Familien beziehen diese Überlegungen in ihre dauerhafte Standortauswahl mit ein. Hier dürfen wir nicht sparen. Ganz abgesehen davon, dass wir hier unsere Zukunft besparen würden. Nur weil die Kinder aktuell keinen “Gewinn” abwerfen, heißt es doch nicht, dass Investitionen in ihre Zukunft sich nicht auszahlen werden.
Und die Mehrzweckhallen und das Hallenbad? Die Hallen sind wichtig, keine Frage. Und eigentlich habe ich auch das Gefühl, dass die Hallen in den Ortsteilen für das aktive Leben in Bruchköbel wichtiger sind, als das offensichtlich verschonte Bürgerhaus. Aber eine Lösung will nich noch nicht einfallen.
Das Hallenbad aber….ich weiß, vielen Bruchköblern ist das wichtig. Doch gerade heute stand ich vor der Entscheidung, wohin ich mit meinem Sohn ins Schwimmbad gehen soll. Erlensee und Nidderau standen zur Auswahl. Bruchköbel hatte es nicht mal auf meine Liste geschafft, zu unattraktiv erschien mir das veraltetet Bad. Entschieden habe ich mich heute für Nidderau, wegen der langen Tunnelrutsche und den ansprechenden Bilder im Netz. Von Außen mag das Bad auch erschreckend aussehen, innen kann es sich sehen lassen. Meiner Meinung nach kann das Bruchköbler Hallenbad nur mit einer Totalsanierung überleben, dafür ist aber kein Geld da. Würde es uns ohne Hallenbad besser gehen? Hand aufs Herz, wer geht wirklich gerne in unser Hallenbad? In das Freibad – keine Frage – aber vielleicht wird es wirklich Zeit sich vom Hallenbad zu trennen.
Und ehrenamtlich besetzte Stellen? An einigen Stellen gut vorstellbar, doch wo sind die Freiwilligen? Und ob das tatsächlich die Stellen sind, wo viel Geld gespart werden kann? Von der Diskussion über eine Notwnedigkeit einer Stelle eines hauptamtlichen Stadtrates habe ich – natürlich – nichts gelesen. Warum hier keine Halbtagesstelle oder ganz und gar ehrenamtlich?
Meine Informationen beziehe ich ja leider nur aus einem Zeitungsbericht. Einsehen kann man das Konzept als einfacher Bürger ja wohl nicht, oder?
“Meiner Meinung nach kann das Bruchköbler Hallenbad nur mit einer Totalsanierung überleben”
Sie hatten wohl in die richtige Richtung spekuliert, wenn auch mit der üblichen Verzagtheit, erschlagen von den pausenlosen “Leere Kassen”-Nachrichten.
Ich selbst war jedenfalls baff, als der Hallenbad-Neubau-Beschluss fiel. Das hatte man nicht erwarten können.
Von: Juergen Dick am 20. Dezember 2009
um 6:47 pm
Naja, diese „Verzagtheit“ kann man damit begründen, dass ich diese Mehrausgaben zum jetzigen Zeitpunkt für unvernünftig halte. Denn ich die logisch klingenden Zahlenspiele sind wahrscheinlich doch nur Schönrechnerei, oder? Aber mit Sparmaßnahmen kann man ja keine Wählerherzen gewinnen….hier wäre etwas weniger Zaudern angesagt.
Aber baff über diesen Beschluss war ich auch
Von: Sylvia Braun am 20. Dezember 2009
um 9:16 pm
“Naja, diese ‘Verzagtheit’ kann man damit begründen, dass ich diese Mehrausgaben zum jetzigen Zeitpunkt für unvernünftig halte.”
Das alte Bad macht 400.000 Euro Minus im Jahr (eventuell mehr, weil der Bärensee m.W. hinzusubventioniert). Hinzu kommt ständig steigender Nachbesserungsbedarf inclusive der Unsicherheit, dass das Ganze zunehmend unattraktiv wird oder irgendwann ganz ausfällt, jedenfalls irgendwann nur noch finanzieller Ballast ist.
Veranschlagte 7 Millionen Euro Neubaukosten, derzeit günstig finanziert (4%), ergeben incl. Tilgung (2%) etwa 420.000 Euro Finanzkosten im Jahr. Plus, sagen wir, 50.000 Euro Erhaltungsaufwand im Jahr, im Schnitt der ersten 10 Jahre. Also 470.000 Euro/Jahr. Das wäre die jährliche Belastungssumme, bei der es losgeht. Verbesserte Einnahmen durch erhöhte Attraktivität erscheinen mir nicht unwahrscheinlich. Hinzu kommen Energieeinsparungen. Also kann man durchaus Hoffnung hegen, dass sich das jetzige Minus von 400.000 Euro/Jahr reduzieren ließe.
Ein ideenreicher Planer wäre dabei ein Segen. Z.B. ein integriertes nettes Cafe hinzugedacht, usw., …
Von: Juergen Dick am 20. Dezember 2009
um 10:59 pm
Herr Dick, Ihren Ruf nach ideenreichen Planern für ein zukünftiges Hallenbad sollten wir alle ernst nehmen. Bei nahezu 20.000 Bürgern in Bruchköbel wird das notwendige Fachwissen bei Ingenieuren und Finanzfachleuten vorhanden sein. Es muss nur entdeckt und die Bereitschaft zur Mitarbeit geweckt werden.
Dann können wir uns auch an die Aufteilung des großen Investitionsblockes ‚Hallenbad = 7 Mio. Euro’ machen. Denn dieser Block ist allein von Bruchköbel kaum zu bezahlen.
Andere Kommunen zeigen, wie’s gehen kann:
Mögliche Subvention der Investitionen an Beispielen:
Durch das Investitionsprogramm des Landes Hessen für Hallenbäder bis 2012 können bei nachgewiesenem Neubaubedarf bis zu 30% Subventionen erfolgen. Bei 7 Mio. immerhin ca. 2,1 Mio. Zuschuss.
Passivhaussubventionen gibt es auf Anfrage von EU, Bund und Land siehe auch Hallenbad Lünen.
Bei der Turnhalle Reichelsheim in Passivhausbauweise, 1,5 Mio Baukosten, übernahm der Wetteraukreis die Hälfte der Kosten. Zusätzlich wurden die Mehrkosten für die Passivhaus Bauweise vom Kreis übernommen.
Mit Blockheizwerken auf Basis erneuerbare Energie mit Kraft-Wärme-Kopplung, Gas, evt. Holzschnitzelanlage und/oder Thermosolar (EEG) kann nicht nur die nötige Wärme, sondern zusätzlich Strom für den Eigenbedarf oder auch zur Einspeisung ins Stromnetz erzeugt werden.
Des Weiteren gibt es Subventionen für Reha-Maßnahmen, Behinderte, Kreis- und außerstädtische Schulen, Senioren etc.
Aus obigen Beispielen leiten sich auch eine Reduzierung laufender Kosten und mögliche zusätzliche Einnahmen und Zuschüsse ab:
Wie am Hallenbad Lünen gezeigt werden kann, besteht die Möglichkeit einer Reduzierung der laufenden Energiekosten um 50% gegenüber einem normgerechten Neubau.
Bei einem Verkauf überschüssiger Energie aus dem BHW (Strom- und Wärme) an Energieversorger und über Fernheizung an umliegende Wohnhäuser und evt. Schulen.
Durch die Anpassung der Eintrittspreise an durchschnittliche Preise der nächstliegenden Bäder, verbessert sich die Einnahmesituation.
Wir, der Aktionskreis pro Hallenbad Bruchköbel, versuchen, die Diskussion zu versachlichen, die Anforderungen der unterschiedlichen Nutzer zu koordinieren und die Planungsabteilungen der Stadt zu unterstützen. An alle, die am Erhalt des Schwimmbades interessiert sind: machen Sie bitte mit.
Wolfgang Reichelt
Aktionskreis pro Hallenbad Bruchköbel
Von: wrbrk am 2. Januar 2010
um 1:05 pm
Sehr geehrte Frau Braun,
leider habe ich Ihren Beitrag vom 3.12.09 erst jetzt entdeckt. Ich finde, Sie haben vollkommen recht, wenn Sie ein Spaßbad suchen und dafür nach Nidderau oder Erlensee fahren.
Ein Fanbad mit Tunnelrutsche werden wir uns vermutlich bei der Haushaltslage nicht leisten können.
Was wir haben und erhalten sollten ist ein Zweck- und Sportbad.
Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und testen Sie unser Bad vor Ort, z.B.
Montag Abend, wenn Kindertraining beim Schwimmverein stattfindet.
oder Mittwoch bzw. Donnerstag früh bei der Wassergymnastik und Warmbadetagen.
Oder Mittwoch nachmittag beim Baby und Kleinkinderschwimmen http://www.zwergennest.info/
Oder Freitag früh beim Schulschwimmen (Frida-Kalo-Schule) und ab 11.30 eine Schule aus Altenstadt; nähere Schwimmbäder haben offenbar keine Freistunden mehr!
Oder kommen Sie einfach mal mit Ihren Jungs am Samstag- oder Sonntagnachmittag, da gibt’s viel Platz zum Schwimmen.
Sprechen Sie die Aktiven, die Teilnehmer an den Kursen, die Mütter und Väter an und reden Sie mit Ihnen.
Vielleicht wir dann klarer, warum Bruchköbel und seine Bürger das Schwimmbad benötigen.
Wolfgang Reichelt
(Aktionskreis pro Hallenbad Bruchköbel)
Von: wrbrk am 2. Januar 2010
um 11:58 am
Lieber Herr Reichelt,
natürlich wäre es schön, wenn es in Bruchköbel weiter ein Hallenbad geben würde. Darüber müssen wir nicht dikutieren und davon müssen Sie mich nicht überzeugen. Die Frage ist eben nur, können wir uns das leisten? Oder gönnen wir uns etwas auf Schuldenbasis, was unsere Kinder dann irgendwann – verzeihen Sie das Wortspiel – ausbaden müssen? Denn auch die Fördergelder des Landes sind doch nur durch Schulden finanzierbar.
Und wenn der Erhalt des Bades durch einen Neubau so notwendig ist, dann sollte man versuchen Sponsoren und/oder Investoren zu suchen. Man könnte z.B. auch mit Veranstaltungen Geld für den Neubau erwirtschaften. Jeder Euro könnnte die Stadt ein klein wenig entlasten. Dieser Ansatz fehlt mir bei den aktuellen Diskussionen etwas. Wenn wir ein neues Hallenbad wollen, sollten wir auch etwas dafür tun.
Von: Sylvia Braun am 3. Januar 2010
um 12:18 pm
Wie ich bereits an anderer Stelle Herrn Dick mitteilte (WKW) denke ich, dass es utopisch ist, zu glauben, dass sich das Defizit des Bades quasi auf eine schwarze Null reduzieren läßt und wir hätten dann nur noch für die Zahlung der von ihm realistischen 470.000,00 Euro für Zins und Tilgung zu sorgen. Diese 470.000,00 Euro sind realistisch, aber bitte vergessen wir doch nicht, ein weiterhin bestehendes nicht unherbliches Minus, das das Schwimmbad “erwirtschaften” wird, hinzu zu addieren. Das ist aus meiner Sicht die Realität, die unser Haushalt eigentlich im Moment nicht hergibt und in diesem Punkt muss ich Frau Braun Recht geben, dass die Zahlen wohl etwas schön geredet und gerechnet wurden, damit es sich besser verkaufe läßt.
Von: Katja Lauterbach am 22. Dezember 2009
um 5:52 pm
“aber bitte vergessen wir doch nicht, ein weiterhin bestehendes nicht unherbliches Minus, das das Schwimmbad ‘erwirtschaften’ wird, hinzu zu addieren.”
Dieses unerhebliche Minus wird auch dann ‘erwirtschaftet’, wenn man das alte Hallenbad so stehen lässt, wie es ist.
Von: Juergen Dick am 23. Dezember 2009
um 8:21 pm
Zum Thema Hallenbad noch ein paar weiterführende Links:
http://www.wer-kennt-wen.de/forum/showThread/t7rfis90l226
http://bruchkoebel.twoday.net/stories/6104173/
Von: Sylvia Braun am 23. Dezember 2009
um 10:25 am
“wir hätten dann nur noch für die Zahlung der von ihm realistischen 470.000,00 Euro für Zins und Tilgung zu sorgen.”
Übrigens wird doch auch jetzt, nach der neuen Doppik, im Haushalt ein Abschreibungsbetrag für den Schwimmbadkomplex eingetragen. Oder liege ich da falsch?
Von: Juergen Dick am 23. Dezember 2009
um 8:30 pm
Von: Sylvia Braun am 3. Januar 2010 um 12:18
(auf Ihren Artikel oben war keine Antwort möglich, daher an dieser Stelle:
Ihre Antwort zeigt doch, was wir brauchen: Ideen & Beteiligung aus der Bürgerschaft. Den Kostenblock von 7 Mio(?) aufteilen und den Teil für die Kommune tragbar machen. Vielleicht schauen Sie in meine Antwort an Jürgen Dick Von: wrbrk am 2. Januar 2010, da habe ich versucht, ähnlich wie Sie, die Kosten, aber vor allem auch die Folgekosten zu reduziern. Wenn Sie weiter aktiv sein wollen, beteiligen Sie sich am Aktionskreis pro Hallenbad. Sie sind herzlich willkommen.
Wolfgang Reichelt
Von: wrbrk am 3. Januar 2010
um 3:34 pm
(W.R.:) “Herr Dick, Ihren Ruf nach ideenreichen Planern für ein zukünftiges Hallenbad sollten wir alle ernst nehmen.”
Der Ruf nach ideenreichen Planern ist nicht originär “mein Ruf” – vor allem ist er auch nicht in der Form nötig, dass man bei Adam und Eva anfangen müsste.
Der Erste Stadtrat hat vor etwa 2 1/2 Jahren im Rathaussaal ein Architektenteam, das auf Hallenbadbau spezialisiert ist, verschiedene Varianten vorstellen lassen, siehe hier:
http://bruchkoebel.twoday.net/stories/3646539/
Von: Juergen Dick am 4. Januar 2010
um 8:19 pm
[...] Thema. Die Hallenbadkommentare zu meinemvorherigen Artikel zum Haushaltsicherungskonzept kann man hier nachlesen, die Diskussion in der Gruppe „Bürger leben Bruchköbel“ bei wkw gibt es [...]
Von: Das Hallenbad « Bruchköbel Blog am 14. Januar 2010
um 2:46 pm